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Kampf für Freiheit und Demokratie – Erinnerung an das Revolutionsjahr 1849 – Bericht im Eberbach-Channel

Fotos Hubert Richter

(hr) Am heutigen “Tag des offenen Denkmals” wurde auf Schloss Hirschhorn ein restaurierter Gedenkstein der Öffentlichkeit übergeben, der an ein Gefecht im Revolutionsjahr 1849 erinnert.

Der Gedenkstein stammt aus dem Jahr 1869 und wurde damals im Gedenken an das letzte Gefecht zwischen Bundestruppen und der Hanauer Turnerwehr während der Badischen Revolution 1848/1849 und speziell an den damals irrtümlich aus den eigenen Reihen erschossenen Leutnant Ludwig Wedekind aufgestellt. Die Hanauer Turner waren dem Hilferuf der Revolutionäre gefolgt und besetzten Hirschhorn, das an der Verteidigungslinie gegen Preußen und Bundestruppen einen strategisch wichtigen Punkt (Neckarübergang) darstellte, am 13. Juni 1849 mit 142 Mann. Am 14. Juni kam es zu dem Zwischenfall, bei dem Ludwig Wedekind von einem eigenen Wachposten versehentlich erschossen wurde. Am 15. Juni wurden die Turner auf Schloss Hirschhorn von den rund 2.000 Mann starken hessisch-bayerischen Bundestruppen angegriffen. Der Angriff scheiterte jedoch, und nach dem Rückzug der Hessen und Bayern verließen die Hanauer Turner, die keine weiteren Opfer zu beklagen hatten, am 16. Juni Hirschhorn und zogen nach Eberbach.

Die Restaurierung des Steins war eine Gemeinschaftsleistung Hirschhorns mit dem Land Hessen und mit Unterstützung der Sparkassenstiftung. Sie war noch durch den im August 2018 verstorbenen Hirschhorner Hobby-Historiker Dr. Ulrich Spiegelberg angestoßen worden.

Bürgermeister Oliver Berthold spannte in seiner Begrüßung (Bild Mitte) einen Bogen vom Einsatz der damaligen Revolutionärer für Demokratie und Freiheit zu den heutigen populistischen Strömungen in Politik und Gesellschaft, deren nach einfachen Lösungen klingenden Parolen und Phrasen immer wieder hinterfragt werden müssten.
Der Parlamentarische Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister überreichte eine Geldgabe des Landes Hessen in Höhe von 500 Euro an den Vorsitzenden des Vereins “Freunde der Hirschhorner Altstadt”, Reiner Lange (Bild oben rechts). Meister betonte, dass der damalige Kampf für Freiheit und Demokratie ein wichtiger Markstein auf dem Weg Deutschlands zur heutigen demokratischen Nation gewesen sei, und dass die von der Nationalversammlung damals ausgearbeitete Verfassung den späteren Verfassungen von 1919 und 1949 als fortschrittliches Vorbild gedient habe.
Grußworte hielten unter anderem auch Dr. Rüdiger Arlt, heutiger Präsident der Hanauer Turner, und Thomas Platte, Direktor des hessischen Landesbetriebs Bau und Immobilien, der aktuell rund 3 Millionen Euro in die Sanierung des Hirschhorner Schlosses investiere.
Im Anschluss an den kirchlichen Segen wurde gemeinsam die Europahymne (Beethovens “Ode an die Freude”) gesungen, begleitet von Richard Köhler an der Gitarre (Bild rechts unten).

Eingeladen zu der Feier, die aufgrund des regnerischen Wetters im Seminarraum unter der Schlossterrasse stattfand, hatten die Stadt Hirschhorn, die “Freunde der Hirschhorner Altstadt” und der “Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum”.

Dr. Rüdiger Lenz, Archivar der Stadt Eberbach und Beauftragter des Archivverbunds Neckartal/Odenwald, hielt einen Vortrag über die “Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkung bis in die heutige Zeit”.

Quelle: Eberbach-Channel 

Datum: 08.09.2019

Redakteur: Hubert Richter

Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49 – Bericht in den Neckartal-Nachrichten

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

 

Quelle: Neckartal-Nachrichten 

Datum: 10.09.2019

Redakteur: Thomas Wilken

Vorankündigung – Tag des Denkmals 2019 am Sonntag 8. September 2019 – Bericht im Stadtanzeiger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Jahr beteiligen sich die Freunde der Hirschhorner Altstadt e.V. zusammen mit der Stadt Hirschhorn (Neckar) und dem Freundeskeis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum e.V. an diesem bundesweiten Aktionstag.

Die Restaurierung des Wedekindsteins im inneren des Hirschhorner Schlosses war ein großer Wunsch von Dr. Ulrich Spiegelberg. Leider ist Dr. Spiegelberg im letzten Jahr plötzlich und unerwartet verstorben. Im Gedenken und als Verpflichtung sahen sich die beiden Vereine und die Stadt in der Verantwortung, dieses Projekt zeitnah zu realisieren.

Ist doch der Gedenkstein neben dem Hambacher Schloss das einzig bauliche Denkmal, das an die badische Revolution erinnert.

Eines der letzten Kapitel der Revolution 1848/49 wurde nämlich in Hirschhorn geschrieben. 1848 hatten die Deutschen Fürsten dem Volksbegehren nach einem einheitlichen deutschen Staat mit einer Verfassung nachgegeben und damit letztlich dem revolutionären Geist den Wind aus dem Segel genommen. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat war gescheitert.

In dieser Krisensituation kam es zur Revolution in der Pfalz und Baden. Dort wurde die Republik ausgerufen, die sich nun gegen die Staaten des Deutschen Bundes unter der Führung Preußens zu verteidigen hatten. Im Rahmen der militärischen Ereignisse war längs der Neckar-Odenwald-Linie eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn als Ort eines möglichen Neckarübergangs wurde am 13. Juni 1849 von der 1. Kompagnie der Hanauer Turnerwehr, 142 Mann stark, besetzt.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen der Turnerwehr und den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa in einer Stärke von 2.000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Die Hanauer Turner verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück. Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Der unglückliche Ausgang der Revolution, der für viele Tod, Haft, Flucht und Emigration bedeutete, ließ sich nicht verhindern.

20 Jahre später bekam der irrtümlich erschossene Ludwig Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Aus der Erinnerung an die Junitage 1849 entstand bei den Hanauer Turnern der Wunsch, das Grab des gefallenen Kampfgefährten zu identifizieren und ihm einen Gedenkstein zu errichten. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

Gestaltung und Ausmaß des Wedekind-Steines, der heute restauriert auf dem Schloss Hirschhorn aufgestellt ist, lassen klar erkennen, dass hier nicht nur an einen Grabstein und eine nachgeholte Beerdigungsfeier gedacht war. Der Ablauf der damals abgehaltenen Gedenkfeier bestätigte auch deren politischen Charakter, mit dem die Teilnehmer durchaus eine Gefängnisstrafe riskierten.

So haben wir mit der Restaurierung somit zwei Jahrestage zu begehen. 170 Jahre badische Revolution für Einigkeit, Recht, Freiheit und Demokratie und 150 Jahre Errichtung des Gedenkstein für den Leutnant Wedekind.

Alle drei Veranstalter würden sich freien, möglichst viele Hirschhorner Bürgerinnen und Bürger an diesem Tag auf dem Schloss begrüßen zu dürfen. Folgendes Programm erwartet alle interessierten Gäste:

11 Uhr: Burgführung – Treffpunkt im Schlosshof (Eintritt frei)

14 Uhr: Feierstunde mit symbolischer Übergabe des restaurierten Wedekindstein und Hinweistafel an das Land Hessen, begleitet durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung und Mitglied des Deutschen Bundestags, Dr. Michael Meister.

15:45 Uhr: Vortrag Dr. Rüdiger Lenz, Archivar der Stadt Eberbach und Beauftragter des Archivverbundes Neckartal/Odenwald: Thema „Badische Revolution 1848/1849 “ und Auswirkung bis in die heutige Zeit. Dauer ca. 1/2 Stunde im Seminarraum unterhalb der Schlossterrasse – Eintritt frei.

16:45 Uhr: Wiederholung Vortrag Dr. Rüdiger Lenz

17:30 Uhr: Konzert der Katholischen Kirchenmusik KKM im Schlosshof, Eintritt frei

Ab 11 Uhr Bewirtung am Food-Truck durch Peppe und seinem Team.

Hinweis: Bei schlechtem Wetter findet die Feierstunde im Seminarraum unterhalb der Terrasse statt.

 

Quelle: Stadtanzeiger Hirschhorn 

Datum: 30.08.2019

Bedeutendes Zeugnis deutscher Demokratiegeschichte: Übergabe des restaurierten Wedekindsteins in Hirschhorn am 8. September – Bericht in den Neckartal-Nachrichten

Mit dem Wedekindstein am Hirschhorner Schloss hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution von 1848/49 dar. Dabei ist der Hintergrund seiner Errichtung 1869 eher tragisch: Ludwig Wedekind wurde 20 Jahre zuvor von den eigenen Leuten erschossen. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 8. September, wird das restaurierte Zeitzeugnis ans Land Hessen als Eigentümer des Schlosses übergeben.

Die Restaurierung des Wedekindsteins war eines der Projekte, die der Hirschhorner Stadthistoriker Dr. Ulrich Spiegelberg unbedingt noch realisiert haben wollte. Leider verhinderte sein früher Tod im August vergangenen Jahres die Umsetzung dieses Projektes durch seine Federführung. Im Gedenken und als Verpflichtung sahen sich die Stadt Hirschhorn und die beiden Vereine Freunde der Hirschhorner Altstadt sowie Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum in der Verantwortung, das Projekt abzuschließen.

Zwar waren der eigentliche Termin und die damit verbundenen Jahrestage (170 Jahre Badische Revolution und dem Gefecht um Hirschhorn und 150 Jahre Errichtung des Gedenksteins durch die Hanauer Turnerwehr) im Juni, doch aus organisatorischen und zeitlichen Gründen

war die Gedenkfeier zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Der „Tag des offenen Denkmals“ ist im Hirschhorner Veranstaltungskalender eine feste Größe und für die Feierstunde der geeignete Termin.

Denn: Eines der letzten Kapitel der Revolution 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. 1848 hatten die Deutschen Fürsten dem Volksbegehren nach einem einheitlichen deutschen Staat mit einer Verfassung nachgegeben und damit letztlich dem revolutionären Geist den Wind aus dem Segel genommen. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat war gescheitert.

So kam es zur Revolution in der Pfalz und in Baden. Dort wurde die Republik ausgerufen, die sich nun gegen den Deutschen Bund unter der Führung Preußens zu verteidigen hatte. Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn als Ort eines möglichen Neckarübergangs wurde am 13. Juni 1849 von der 1. Kompagnie, 142 Mann stark, besetzt.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten. In diesen Wirren wurde irrtümlich Ludwig Wedekind von den eigenen Leuten erschossen. Heute würde man es „Friendly Fire“ nennen.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse

eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen. Kämmerer erinnerte an die Kampftage, an die Zeit nach dem Scheitern der Revolution mit Jahren von Haft und Verbannung, und an die Gefährten, die in der Emigration gestorben waren.

Gestaltung und Ausmaß des Wedekind-Steines lassen erkennen, dass hier nicht nur an einen Grabstein und eine nachgeholte Beerdigungsfeier gedacht war. Der Ablauf der damaligen Gedenkfeier bestätigte auch deren politischen Charakter, mit dem die Teilnehmer durchaus eine Gefängnisstrafe riskierten.

So traten in Hirschhorn die Hanauer Turner auch 1869 zum zweiten Mal mutig für ihre freiheitlichen und demokratischen Ideale ein. Der Gedenkstein ist als ältestes Denkmal zur Badischen Revolution ein bedeutendes Zeugnis deutscher Demokratiegeschichte. Die Schlussworte von Kämmerer, „bleibt treu den Grundsätzen der Freiheit und Humanität“, sind heute noch genauso aktuell damals.

Programm am Tag des offenen Denkmals, 8. September:

11 Uhr: Burgführung, Treffpunkt im Schlosshof (Eintritt frei). Start der Bewirtung am Food-Truck durch Pepe und sein Team.

14 Uhr: Feierstunde mit symbolischer Übergabe des restaurierten Wedekindsteins und der Hinweistafel an das Land Hessen, begleitet durch den Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Michael Meister (CDU)

15.45/16.45 Uhr: Vortrag Archivar Dr. Rüdiger Lenz zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkung bis in die heutige Zeit“ (Dauer etwa eine halbe Stunde im Seminarraum unterhalb der Schlossterrasse, Eintritt frei).

17.30 Uhr: Konzert der Katholischen Kirchenmusik Hirschhorn KKM im Schlosshof

 

Quelle: Neckartal-Nachrichten 

Datum: 27.08.2019

Redakteur: Thomas Wilken

Wedekind-Stein erinnert an Revolutionsgefecht 1849 – Beitrag im Eberbach-Channel

Reiner Lange, Aloisia Sauer und Brügermeister Oliver Berthold (v.l.) freuen sich auf viele Gäste am 8. September. (Foto: Claudia Richter)

cr) Am “Tag des offenen Denkmals” am 8. September wird auf Schloss Hirschhorn ein frisch restaurierter Gedenkstein enthüllt.

Die Stadt Hirschhorn, die “Freunde der Hirschhorner Altstadt” und der “Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum” laden zu der Zeremonie mit Rahmenprogramm ein.

Der “Tag des offenen Denkmals” sei im Hirschhorner Veranstaltungskalender eine feste Größe und werde immer mit einer besonderen Aktion begangen, berichteten Aloisia Sauer, Vorsitzende des Vereins “Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum”, Reiner Lange, Vorsitzender des Vereins “Freunde der Hirschhorner Altstadt”, und Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms für die diesjährige Veranstaltung. Am 8. September will man im Beisein von Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, der Politik und der Bevölkerung den restaurierten Gedenkstein aus dem Jahr 1869, der an das letzte Gefecht zwischen Bundestruppen und der Hanauer Turnerwehr während der Revolution 1848/1849 und speziell an den damals irrtümlich erschossenen Ludwig Wedekind erinnert.

Es sei eines der Projekte des im August vergangenen Jahres verstorbenen Hirschhorner Stadthistorikers Dr. Ulrich Spiegelberg gewesen, das man nun umgesetzt habe, so Lange. Nach einer Burgführung, die um 11 Uhr im Schlossinnenhof beginnen soll, will man um 14 Uhr die symbolische Übergabe des Gedenksteins feiern. Dr. Rüdiger Lenz, Archivar der Stadt Eberbach und Beauftragter des Archivverbunds Neckartal/Odenwald, wird um 15.45 Uhr und um 16.45 Uhr einen Vortrag über die “Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkung bis in die heutige Zeit” im Seminarraum unterhalb der Schlossterrasse halten. Um 17.30 Uhr beginnt ein Konzert der Katholischen Kirchenmusik im Schlosshof. Für die Bewirtung am Food-Truck ist gesorgt.

Das Museum ist an diesem Sonntag von 15 bis 17 Uhr, bei Interesse auch länger geöffnet.

Quelle: Eberbach-Channel 

Datum: 24.08.2019

Redakteurin: Claudia Richter

 

Kalender 2019– Endlich ist es soweit – Verkaufsstart!!

Auch wenn man dieses Jahr etwas länger warten musste, jetzt ist er da!  Der Kalender 2019!

Am Samstag, den 17. November ist offizieller Verkaufsstart des Kalenders 2019! Zwischen 11 und 13 Uhr haben Sie die Gelegenheit auf der Vorterrasse im Cafè am Rathaus die ersten Exemplare zu erwerben.

Die siebte Auflage zeigt ‚Hirschhorn in vergangener Zeit‘.

Mit Unterstützung unseres Mitgliedes Rainer Mathes war es uns möglich, wieder tolle Fotos zusammenzustellen.

Die Auflage ist auch dieses Jahr wieder limitiert!

Nach diesem Termin ist der Kalender 2019 an folgenden Verkaufsstellen zum Preis von 13 Euro erhältlich:

  • Sparkasse
  • Volksbank
  • Teeladen
  • Sportheim „Beim Ätsche“
  • Cafè am Rathaus

 

Kalender 2019 – Vorankündigung!

Auch für das Jahr 2019 werden wir wieder einen interessanten Kalender in den Verkauf bringen. Aus diversen Gründen, hat sich der Verkaufsstart in diesem Jahr etwas verzögert. Im Moment liegt die Druckaufbereitung in den letzten Zügen. Sobald der Liefertermin seitens der Druckerei feststeht, werden wir Sie informieren. Planen Sie jetzt schon ein schönen Weihnachtsgeschenk ein!

Lebenszeichen und Protest – Bericht in der RNZ

Das Kreuz in Theologie und Kunst war Thema in der katholischen Pfarrkirche

Ludwig Schmeisser (I.) und Geistlicher Rat Udo Mayer (sitzend Pater Linto) im Dialog über das Kreuz im Wandel der Zeiten. Fotos: privat

Hirschhorn. Die Katholische Kirche kennt Feste, von denen sich vermutlich nur die wenigsten auch allgemeiner Bekanntheit erfreuen. Das Fest Kreuzerhöhung zum Beispiel. Es wird am 14. September gefeiert – jenem Tag, als im vierten Jahrhundert nach Christus Kaiser Konstantin eine Basilika über dem Heiligen Grab in Jerusalem einweihte und dabei das Kreuz Christi hoch erhoben den Gläubigen zur Verehrung zeigte. Seitdem ist das Kreuz das Zeichen der Christen, sagte Pfarrer Udo Mayer an diesem Festtag, es war der letzte Freitag, abends in der Pfarrkirche Maria Immaculata. Hier bot sich Gelegenheit, sich dem auf eine ebenso ausgefallene wie lebendige Weise zu nähern. Die Kirchengemeinde und die „Freunde der Hirschhorner Altstadt“ veranstalteten einen von Künstler Ludwig Schmeisser konzipierten Dialog, in dem es um das Zeichen des Kreuzes in Theologie und Kunst ging. Und um die zugrunde liegende Frage: Was war uns dieses Kreuz über die Jahrhunderte – und was ist es uns heute?

Ludwig Schmeisser und Geistlicher Rat Udo Mayer, die sich hier an der Kanzel gegenübertraten, üben sich in dieser
Form der offenen Auseinandersetzung schon jahrzehntelang. Denn beide haben ihre Fachgebiete früher am Bunsen Gymnasium in Heidelberg unterrichtet, erklärt Schmeisser auf Nachfrage. Schmeissers zeitgenössisch -künstlerischer
Beitrag zum Kreuzes-Dialog waren drei von den Patres Linto und Joshy ausgewählte Bildwerke. Ausgestellt vor
den Altären, ließen sich an ihnen die unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Geistlichkeit und Künstler und
„grundlegende Gedanken zum 20. Jahrhundert“ formulieren.

Über hundert Personen füllten die Pfarrkirche bei diesem besonderen Gottesdienst, schätzt Schmeisser, „fast wie
an Weihnachten!“ Und: „Der Gesprächsbedarf über diese Thematik ist spürbar“. Auch im Anschluss daran im von den
Ehepaaren Schölch und Kittel organisierten Kirchencafe im Zelt, in lockerer Atmosphäre, und später dann bei der Kunstausstellung im Mitteltorturm, der für gewöhnlich nur an besonderen Tagen zugänglich ist. Erfreut stellte
Schmeisser überall lebhaftes Interesse fest.
„Von Anfang an ist das Zeichen des Kreuzes ein Ärgernis“, machte Udo Mayer in seiner Predigt deutlich. Und spannte

Gang der Zeit und Vielschichtigkeit des Lebens: Schmeisser zeigt in diesem fensterartig gerahmten Kreuz mit einem alten Eichenbrett eine abstrahierte Figur aus bewegten Flächen.

einen Bogen durch die Jahrhunderte, der beim gegen die ersten Christen gerichteten Spötterbild begann und bis in
unsere Tage reichte, wo man dem Kreuz je nachdem mit Unverständnis (warum hängen wir nicht lieber Bilder des Auferstandenen, statt des Leidenden auf ?) oder verharmlosend begegne, oder es als kulturkämpferisches Symbol zur Verteidigung des Abendlands gegen die Islamisierung instrumentalisiere. Mayer hält dagegen: „Das Kreuz ist Zeichen des Protests gegen Sünde, Gewalt, Ungerechtigkeit und Tod, kein Zeichen nationaler Identität“.

Als Siegeszeichen beim frühen Fest der Kreuzerhöhung, als Zeichen der Majestät Christi in der Romanik, des Schmerzensmanns in der Gotik bis zum makellos Schönen, in dem die Renaissance das Zeichen der Göttlichkeit erblickte: der Geistliche zeichnete die Blickweisen bis ins 20. Jahrhundert nach, wo er bei den Gläubigen eine Sehnsucht nach dem „solidarischen Jesus“ ausmacht, der „den Menschen gleich wurde“. Und er kommt zu dem Schluss: Jedes dieser Bilder hat seine Richtigkeit, denn Jesu “ Gottsein, aber auch sein Menschsein können wir nicht in einem einzigen Bild ausdrücken“ .
Die theologische Sichtweise kommt bei ihm auch im Blick auf Ludwig Schmeissers Bildwerke zum Tragen. Mayer
deutet deren Farben symbolisch, erkennt in Rot, Grün, Schwarz, Weiß Gewalt, Liebe, Hoffnung, Tod, Leben Auferstehung; wo er Unruhe und Bewegung spürt, stellt sich ihm die Frage, ob da ein Mensch zu sehen ist, der „sein Kreuz, sein Leid, die Dunkelheit des Lebens fliehen möchte?“
Schmeissers Arbeiten sind Assemblagen, also plastische, aus unterschiedlichen Einzelteilen und Materialien gefertigte
Gebilde mit überraschender Gesamtwirkung, wie er selbst diese Formensprache erklärt. Sich in einer neuen, die Vielfalt des Überkommenen widerspiegelnden Formensprache auszudrücken, „eröffnet dem Künstler ganz neue
Gestaltungsmöglichkeiten „. Dies entspreche der grundlegend geänderten Situation des Künstlers in der Moderne.
Denn: Es ist die individuelle Persönlichkeit, die die Inhalte seiner Arbeiten heute präge – auch bei religiösen Themen.
„Der Künstler ist sein eigener Auftraggeber“. So wie Schmeisser selbst seine „Gebilde“ beschreibt, ist es am Ende Sache des Betrachters, wie er diese interpretiert. Er als Künstler liefere Kompositionen, deren es am Ende Sache des Betrachters, deren Einzelteile „ganz unterschiedliche Geschichten erzählen“, mit vielschichtigen „inhaltlichen etwa, diesem Relief aus gesammelten Fundstücken: Schwemmholz, verschieden bearbeitete Holzplatten, darunter das Brett einer russischen Munitionskiste, das an der Atlantikküste angespült wurde. Schmeisser selbst sieht in diesem Kreuz ein Symbol des Lebens.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung,

Region Eberbach

Datum: 17.09.2018

Redakteur: Jutta Biener-Drews

 

Tag des offenen Denkmals 2018 – Bericht von der Burgführung mit Richard Köhler

Am 09. September fand der bundesweite Tag des offenen Denkmals satt. In diesem Jahr beteiligten sich die Freunde der Hirschhorner Altstadt mit einer Burgführung. Bei herrlichem Sommerwetter fanden sich über 60 interessierte Teilnehmer ein, um den spannenden und unterhaltsamen Ausführungen von Richard Köhler zu folgen. Sehr erfreulich war die Tatsache, dass sich neben Hirschhorner Bürgern auch etliche Besucher aus den Nachbarstädten der Führung folgten. Aber auch aus weiterer Entfernung und Feriengäste fanden sich unter den Teilnehmern.

Richard Köhler stellte bei seinen Ausführungen, die bauliche Entwicklung der Burg bis hin zu einem repräsentativen Schloss in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Stand zunächst die Wehrhaftigkeit im Vordergrund der Architektur mit beschaulichen und spartanisch ausgestatteten Wohnbereichen, änderte sich das im Laufe der Jahrhunderte hin zu mehr Komfort.

Besonders die mehrfache Ummauerung im hinteren Bereich, machte die Burg zu einer fast nicht einnehmbaren Festung. Allerdings wurde diese in der Ritterzeit wenig gefordert. Dies war erst im Rahmen der deutschen Revolution der Jahre 1848/49 der Fall, als sich Hanauer Truppen in der Burg verschanzten und sich gegen die Belagerung der Bundestruppen heftig wehrten. Aus dieser Zeit stammt auch der Wedekindstein, der an die irrtümliche Erschießung des Leutnants Wedekind erinnert. Das Besondere dabei ist, dass es sich um eine von insgesamt nur drei ‚Gedenkstätten` der 1848/49er Revolution in Süddeutschland handelt. Die Bekannteste ist sicherlich das Hambacher Schloss.

Nach gut einer Stunde von sehr interessanten Informationen, die auch für ‚alte‘ Hirschhorner viel Neues beinhalteten, bedankte sich der 1. Vorsitzende Reiner Lange bei Herrn Köhler für die Unterstützung an diesem Tage und bei den Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit. Dank des ‚Food-Trucks‘ von Pepe konnten viele noch bei einem kleinen Snack und erfrischenden Getränken den Sonntag gemütlich ausklingen lassen. Auch im nächsten Jahr will der Verein am Tag des offenen Denkmals eine Veranstaltung anbieten.

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