historisch, beschaulich, charmant

Vorankündigung – Tag des Denkmals 2019 am Sonntag 8. September 2019 – Bericht im Stadtanzeiger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Jahr beteiligen sich die Freunde der Hirschhorner Altstadt e.V. zusammen mit der Stadt Hirschhorn (Neckar) und dem Freundeskeis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum e.V. an diesem bundesweiten Aktionstag.

Die Restaurierung des Wedekindsteins im inneren des Hirschhorner Schlosses war ein großer Wunsch von Dr. Ulrich Spiegelberg. Leider ist Dr. Spiegelberg im letzten Jahr plötzlich und unerwartet verstorben. Im Gedenken und als Verpflichtung sahen sich die beiden Vereine und die Stadt in der Verantwortung, dieses Projekt zeitnah zu realisieren.

Ist doch der Gedenkstein neben dem Hambacher Schloss das einzig bauliche Denkmal, das an die badische Revolution erinnert.

Eines der letzten Kapitel der Revolution 1848/49 wurde nämlich in Hirschhorn geschrieben. 1848 hatten die Deutschen Fürsten dem Volksbegehren nach einem einheitlichen deutschen Staat mit einer Verfassung nachgegeben und damit letztlich dem revolutionären Geist den Wind aus dem Segel genommen. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat war gescheitert.

In dieser Krisensituation kam es zur Revolution in der Pfalz und Baden. Dort wurde die Republik ausgerufen, die sich nun gegen die Staaten des Deutschen Bundes unter der Führung Preußens zu verteidigen hatten. Im Rahmen der militärischen Ereignisse war längs der Neckar-Odenwald-Linie eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn als Ort eines möglichen Neckarübergangs wurde am 13. Juni 1849 von der 1. Kompagnie der Hanauer Turnerwehr, 142 Mann stark, besetzt.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen der Turnerwehr und den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa in einer Stärke von 2.000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Die Hanauer Turner verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück. Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Der unglückliche Ausgang der Revolution, der für viele Tod, Haft, Flucht und Emigration bedeutete, ließ sich nicht verhindern.

20 Jahre später bekam der irrtümlich erschossene Ludwig Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Aus der Erinnerung an die Junitage 1849 entstand bei den Hanauer Turnern der Wunsch, das Grab des gefallenen Kampfgefährten zu identifizieren und ihm einen Gedenkstein zu errichten. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

Gestaltung und Ausmaß des Wedekind-Steines, der heute restauriert auf dem Schloss Hirschhorn aufgestellt ist, lassen klar erkennen, dass hier nicht nur an einen Grabstein und eine nachgeholte Beerdigungsfeier gedacht war. Der Ablauf der damals abgehaltenen Gedenkfeier bestätigte auch deren politischen Charakter, mit dem die Teilnehmer durchaus eine Gefängnisstrafe riskierten.

So haben wir mit der Restaurierung somit zwei Jahrestage zu begehen. 170 Jahre badische Revolution für Einigkeit, Recht, Freiheit und Demokratie und 150 Jahre Errichtung des Gedenkstein für den Leutnant Wedekind.

Alle drei Veranstalter würden sich freien, möglichst viele Hirschhorner Bürgerinnen und Bürger an diesem Tag auf dem Schloss begrüßen zu dürfen. Folgendes Programm erwartet alle interessierten Gäste:

11 Uhr: Burgführung – Treffpunkt im Schlosshof (Eintritt frei)

14 Uhr: Feierstunde mit symbolischer Übergabe des restaurierten Wedekindstein und Hinweistafel an das Land Hessen, begleitet durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung und Mitglied des Deutschen Bundestags, Dr. Michael Meister.

15:45 Uhr: Vortrag Dr. Rüdiger Lenz, Archivar der Stadt Eberbach und Beauftragter des Archivverbundes Neckartal/Odenwald: Thema „Badische Revolution 1848/1849 “ und Auswirkung bis in die heutige Zeit. Dauer ca. 1/2 Stunde im Seminarraum unterhalb der Schlossterrasse – Eintritt frei.

16:45 Uhr: Wiederholung Vortrag Dr. Rüdiger Lenz

17:30 Uhr: Konzert der Katholischen Kirchenmusik KKM im Schlosshof, Eintritt frei

Ab 11 Uhr Bewirtung am Food-Truck durch Peppe und seinem Team.

Hinweis: Bei schlechtem Wetter findet die Feierstunde im Seminarraum unterhalb der Terrasse statt.

 

Quelle: Stadtanzeiger Hirschhorn 

Datum: 30.08.2019

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