historisch, beschaulich, charmant

Ältestes Revolutions-Denkmal wieder wie neu – Bericht in der RNZ

Gedenkstein für den 1849 gefallenen Leutnant Wedekind auf Schloss Hirschhorn ist restauriert – Prominente Gäste zur Feierstunde

Hirschhorn. „Gefallen auf Schloss Hirschhorn am 14. Juni 1849“ ist auf dem Gedenkstein zu lesen, den die Gefährten von Leutnant Ludwig Wedekind 20 Jahre nach dessen tragischem Tod errichten ließen. Wedekind, 1821 in Nauheim geboren und Mitglied der Turnerwehr in Hanau, kam während der Badischen Revolution mit seiner Kompanie nach Hirschhorn, um die Neckar-Odenwald-Linie gegen die anrückenden Preußen und die Bundestruppen von Beerfelden zu
verteidigen. Die Revolution von damals ist bekanntlich gescheitert, ‚Wedekind wurde versehentlich von den eigenen Leuten erschossen. Vermutlich, weil er einem Turmposten das Passwort nicht schnell genug nannte. Der über all die Jahre unleserlich gewordene und nun frisch restaurierte Gedenkstein im Schlossgarten gilt (abgesehen vom Hambacher Schloss) als ältestes
Denkmal der Badischen Revolution. Bei der Feierstunde, die am „Tag des offenen Denkmals“ witterungsbedingt im Saale stattfand, war deshalb auch Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, zu Gast. „Ich bin dankbar dafür, dass sich so viele Menschen mit der Heimatgeschichte befassen und auf diese Weise Dinge für die Nachwelt erhalten“, sagte er. Damit meinte er die „Freunde der Hirschhorner Altstadt“ unter Vorsitz von Reiner Lange und den „Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimat-museum“ mit Aloisia Sauer an der Spitze. An Lange überreichte er im Namen der hessischen Landesregierung einen 500-Euro-Scheck für die zukünftige Arbeit. Laut Meister hat sich in Hirschhorn das letzte Kapitel der Badischen Revolution abgespielt, deren Ziele später zum Kern des demokratischen Verfassungsstaats geworden seien. Angefangen beim Grundrechtekatalog, der 1849 in der Frankfurter Paulskirche entstand, über die Weimarer Verfassung von 1919 bis zum 1949 erarbeiteten Grundgesetz. Die Demokratie definierte der Staatssekretär als „wertgebunden und wehrhaft“, gab aber auch zu bedenken: „Wir leben in einer angespannten Zeit und nichts ist auf Dauer gesichert. “

Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Oliver Berthold. Für ihn ist der Wedekind-Gedenkstein „ein Mahnmal der Geschichte“, das nun wieder ins rechte Licht gerückt wurde. Seinen Worten nach muss es den meisten Menschen Mitte des 19.Jahrhunderts schlimmer gegangen sein als im Mittelalter, weil sie oft in großer Armut lebten und ihren Arbeitgebern schutzlos ausgeliefert waren. Ein Nährboden für revolutionäre Gedanken und Taten!
Mit Rüdiger Arlt und dessen Bruder Dietrich waren bei der Feierstunde der Präsident der „Hanauer Turner“ und deren Archivar vertreten. Die „Turngemeinde“ gibt es schon seit 1837, und die Turner müssen nach Schilderung ihres heutigen Präsidenten in den Gründungsjahren
echte „Revoluzzer“ gewesen sein. Ludwig Wedekind soll mit Karl Marx in Kontakt gewesen und von diesem „zu radikal“ eingestuft worden sein. Zum Abschluss einer Ausführungen bedankte sich Rüdiger Arlt für das geschichtliche Interesse der Hirschhorner Vereine, die die
Verbindung nach Hanau halten. Thomas Platte, Direktor des Betriebs Bau und Immobilien Hessen nannte die Summen, die gerade in das Schloss Hirschhorn investiert werden: je eine Million Euro für die Renovierung außen und innen und etwa der gleiche Betrag, um die Zufahrtsstraße zu erneuern. „Jetzt finde ich den Stein“, verriet der stellvertretende Landrat Volker Buser in seinem Grußwort und war ansonsten froh, dass über die Geschichte schon alles gesagt
war. Mit einem Segensgebet von Pfarrer Joshy und seinem Amtskollegen Reinhold Hoffmann aus Rothenberg wäre die Feierstunde zu Ende gegangen, hätte das Publikum nicht noch gemeinsam die „Ode an die Freude“ angestimmt, an der Gitarre begleitet von Richard Köhler. Er hatte um 11 Uhr auch die kostenlose Burgführung übernommen, zu der immerhin an die 30 Gäste kamen. Gut besucht waren am Nachmittag auch die beiden Vorträge zur Badischen Revolution mit Archivar Dr. Rüdiger Lenz.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung,

Region Eberbach

Datum: 11.09.2019

Redakteurin: Karin Katzenberger-Ruf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Kategorien
Archiv