„Farben waren das zentrale Thema“ – Bericht in der RNZ

„Freunde der Hirschhorner Altstadt“ luden am Tag des Denkmals in die Ersheimer Kapelle ein

Hirschhorn. Seit 1993 laden bundesweit am zweiten Sonntag im September historische Bauten und Denkmäler zu Streifzügen in die Vergangenheit ein. Am „Tag des offenen Denkmals“ erleben Kulturbegeisterte nicht nur Geschichte zum Anfassen, sie erhalten auch Einblick in das Ringen um die Erhaltung und Restaurierung dieser Kulturgüter. Das diesjährige Motto „Farbe“ ist zentrales Element der Entwicklungsgeschichte. In Hirschhorn luden die „Freunde der Hirschhorner Altstadt“ am Tag des Denkmals in die Ersheimer Kapelle ein. Die spätgotische szenische Figurengruppe „Ölberg“ in farbig gefasstem Stein an der Nordseite bedarf einer aufwendigen sehr teuren Restauration um die ursprüngliche Farbgestaltung in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Spenden, drei Benefizkonzerte und der Erlös der Bewirtung vor der Kirche kommen diesem guten Zweck zugute.

GottesdienstDen Hirschhorner Tag des Denkmals eröffneten Pfarrer Jörg Awischus und Pater Joshy in der voll besetzten Ersheimer Kirche mit einem ökumenischen Gottesdienst, in dem sie über die Farben des Himmels predigten. Reiner Lange, Vorsitzender der Altstadtfreunde, dankte den zahlreichen Beteiligten, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich sei. Bürgermeister Rainer Sens regte an, nicht nur zurück, voraus und außerhalb der Spur zu denken, sondern eben auch an die vielen erhaltenswerten Denkmäler der Stadt. Über den Einsatz von Farbe im Laufe der Geschichte referierte der Hirschhorner Maler Ludwig Schmeisser. Farben wurden schon sehr früh an Gebäuden eingesetzt um zu gliedern, zu schmücken und zu schützen. An und in der Ersheimer Kapelle gibt es unterschiedliche Verbindungen zwischen Farbe und Architektur und zwischen Farbe und Plastik. Im Mittelalter war die Symbolfarbe farbiger Ausdruck für die Gestaltung, so stand etwa Gold für das Himmlische, Schwarz für Trauer. In der Renaissance spielte die Erscheinungsfarbe eine große Rolle. So trägt Christus im Ersheimer Ölberg ein braunes Gewand, Zeichen eines Erdenbürgers. Wichtig für Schmeisser ist bei einer farbigen Erneuerung des Ölbergs eine sehr sorgfältige Recherche, da für ihn der Schlüssel zu einer sachgerechten Sanierung im Bereich der Farbe liegt. Als löblich bezeichnete er die jetzt vorgesehene farbige Grundsanierung.

Historiker Dr. Ulrich Spiegelberg brachte in seinem Vortrag den Zuhörern die Geschichte des ältestenSpiegelberg, Lange, Schmeisser Teil* Hirschhorn, Ersheim, und die Geschichte der Figurengruppe „Ölberg“ näher. Entstanden um 1520 an der Klosterstaffel, wurde er 1669 in Rotbrauntönen an die Kirche versetzt und erhielt 1722 eine barocke Fassung. Die letzten Fassungen im 20. Jahrhundert mit Dispersionsfarbe führten zu Aufbruch und Zerstörung von Stein und von früheren Fassungen. Nach einem Restaurationsgutachten 2011 hofft Spiegelberg nun auf eine fach- und farbgerechte Wiederherstellung. Musikalisches Können und perfektes Zusammenspiel zeichnete das erste Benefizkonzert aus. Richard Köhler (Gitarre) und Dr. Ulrich Spiegelberg (Piano) spielten Stücke von Antonio Vivaldi, Antonio Soler und Francesco Geminiani. Beim zweiten Konzert füllte Organist Florian Stricker die Kirche mit Orgelkompositionen von Johann Sebastian Bach. Letzter Programmpunkt war das Violoncellokonzert „Cellissima“ von Alexandra Netzold mit lyrisch- meditativen Werken, unter anderem von Johann Sebastian Bach und Robert Schumann. Der „Tag des offenen Denkmals“ zeigte wieder, welch hohen Stellenwert ehrenamtliches Engagement in Hirschhorn hat.

 

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung,

Region Eberbach

Datum: 16.09.2014

Redakteur: Christa Huillier

 

 

 

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